Frankfurter Ateliertage 2012

In einem der 15 durch die Stadt geförderten Atelierräume an der Ostparkstraße zeigt nun Stefanie Grohs aktuelle Arbeiten, die auch künftig in unregelmäßigen Abständen zu sehen werden. Aus fotografischem Fundmaterial von Flohmärkten und aus Haushaltsauflösungen macht die in Gießen geborene Künstlerin Collagen, in denen sie die in der Generation ihrer Großeltern verbreitete Identitätslosigkeit durch Kriegsgefangenschaft, Vertreibung oder Deportation thematisiert. Die auf Buchrücken oder Aktendeckel befestigten Originalaufnahmen, persönlicher Schwarzweißbilder aus Familienalben und Klassenfotos längst vergangener Jahre, zeigen anstatt der ehemals dort abgebildeten Körper nur weiße Schatten. Die Person selbst hat Grohs ausgelöscht, wie es die Geschichte getan hat. Auf den Klassenfotos sind es jeweils Einzelne,die sich gesichtslos in die Gruppe ihrer lächelnden Mitschüler reihen. Eine Projektarbeit in der Gedenkstätte Auschwitz, sagt Grohs, habe  in ihr das Bedürfnis geweckt, künstlerisch zu dokumentieren, wie Menschen ihrer Identität beraubt worden und zu Nummern gemacht geworden sind.

Constanze Ehrhardt, FAZ 19.11.2012

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